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Aktuelles Dorsten


SchulpsychologischeBeratung
04.09.2020
Schulpsychologische Beratungsstelle unterstützt Schüler, Eltern und Lehrkräfte

Martina Goerigk und ihr Team wissen um Herausforderungen während der Corona-Pandemie

Martina Goerigk ist Leiterin der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Dorsten. Die Diplom-Psychologin weiß um die besonderen Herausforderungen im Schulalltag während der Corona-Krise. 

SchulBeratung

Auf dem Bild: Das Team der Schulpsychologischen Beratungsstelle der Stadt Dorsten: Martina Goerigk, Britta Hülder, Katrin Delphendahl und Isabelle Wilden (v.l.). Foto: Stadt Dorsten

 

Das gilt für alle, die am Schulleben beteiligt sind:  für die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern, aber vor allem auch für Schulleitungen, Lehrkräfte und pädagogisches Personal. Im Interview spricht Martina Goerigk über die Hilfestellungen, die sie und ihr Team der Schulpsychologischen Beratungsstelle geben können.

 

Das neue Schuljahr ist drei Wochen alt und in diesem Jahr in vielen Belangen neu und ungewohnt. Worin liegen die größten Herausforderungen für die Schülerinnen und die Schüler?

Martina Goerigk: Die aktuelle Zeit ist durch Unsicherheiten geprägt. Verlässliche Strukturen, die den Schülerinnen und Schülern Sicherheit im Alltag gegeben haben, mussten angepasst und an einigen Stellen vielleicht ganz aufgegeben werden. Die Unbeschwertheit im Kontakt zu Gleichaltrigen hat ebenso gelitten, wie der für viele Kinder so stützende Kontakt zur Klassenlehrkraft. Nach einer langen Phase, in der ganz auf ein Miteinander verzichtet werden musste, müssen sich nun alle Beteiligten an einen neuen Umgang miteinander gewöhnen. 

 

Und für die Lehrer? 

Viele Lehrkräfte befinden sich aktuell in einem Spannungsfeld zwischen den Sorgen um die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen auf der einen Seite und den Anforderungen, die ihnen in ihrer Berufsrolle begegnen, auf der anderen Seite. Es kommt zu Gefühlen von Angst und Unsicherheit, weil bekanntes Terrain verlassen werden muss. Zudem leiden viele unter den Einschränkungen im Hinblick auf die Gestaltung des Schulalltages und auch der persönlichen Freiheiten. In dieser schwierigen Lage sollte nicht vergessen werden, dass viele Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte den Schülerinnen und Schülern trotzdem als verlässliche Ansprechpartner zur Seite stehen und damit einen sicheren Lernort schaffen. Hierfür verdienen sie unsere Wertschätzung.

 

Wie kann die Schulpsychologische Beratungsstelle der Stadt Dorsten helfen? Welche Angebote gibt es?

Die Schulpsychologische Beratungsstelle bietet im Rahmen der wöchentlichen Telefonsprechstunden Ratsuchenden die Möglichkeit, ihr Anliegen in einem ersten Kontakt zu klären und nach möglichen Lösungswegen und Ansprechpartnern zu suchen. Dienstags zwischen 15.30 und 16.30 und mittwochs zwischen 13 und 14 Uhr können sich Schüler/Innen, Eltern und Lehrkräfte unverbindlich melden. 

Im Rahmen der schülerbezogenen Beratung werden Eltern und Lehrkraft gemeinsam bezüglich einer Fragestellung beraten, die sich im Lern- oder Arbeitsverhalten oder dem Verhalten eines Schülers/einer Schülerin ergeben. Die Anmeldung hierzu erfolgt über den Anmeldebogen „Schülerbezogene Beratung“. Das aktualisierte Formular liegt ab sofort in den Schulsekretariaten vor und ist zeitnah auch über die Homepage der Stadt Dorsten abrufbar.

Schulleitungen, Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte können sich aber auch unabhängig von einem Einzelfall mit einem Beratungsanliegen an uns wenden. Hierfür liegt der aktualisierte Anmeldebogen „Lehrerberatung“ ab sofort vor. Neu in diesem Schuljahr ist zudem die Möglichkeit der Onlineberatung. Unter lehrerberatung@dorsten.de bieten wir eine unkomplizierte Kontaktmöglichkeit. Das Anliegen im Einzelfall entscheidet mit darüber, ob es bei einem Austausch per Mail bleibt, ob ein Wechsel zu telefonischer Beratung sinnvoll wäre, oder ob eine Lösungsfindung im Rahmen persönlicher Gespräche das Mittel der Wahl darstellt.

 

Inwieweit wirkt sich die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit aus?

Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeitsweise der Schulpsychologischen Beratungsstelle verändert. Aktuell ist die sonst übliche Präsenz an den Schulen deutlich herabgesetzt und persönlichen Gesprächskontakten in den Räumlichkeiten des Beratungszentrums wird Vorrang gegeben. Unterrichtsbesuche finden nur in Ausnahmefällen und in enger Abstimmung im Team statt. Schulpsychologische Diagnostik wird an die Erfordernisse der Hygienestandards angepasst. Gruppensupervisionen finden in diesem Schuljahr wieder statt. Schulinterne Lehrerfortbildungen sind vorerst ausgesetzt.

 

Ist die Nachfrage nach Hilfe und Beratung in dieser außergewöhnlichen Zeit größer als sonst?

Hier ist zwischen Bedarf und tatsächlicher Nachfrage zu unterscheiden. Die Herausforderungen legen nahe, dass tendenziell mehr Beratung benötigt wird. Sobald Emotionen wie Überforderung, Unsicherheit und Angst im Spiel sind, macht die Hinzuziehung einer neutralen Beratungsinstanz Sinn, um seine Ressourcen wieder zu entdecken und zu aktivieren. Tatsächlich muss aber bedacht werden, dass die Inanspruchnahme von Beratung weitere Kapazitäten erfordert. In Zeiten von Homeoffice, zusätzlicher Kinderbetreuung, Arbeitsplatzverlust oder der Erfordernis, sich in neue Themen einzuarbeiten, wie beispielsweise dem digitalen Lernen, bleibt wenig Freiraum, sich Hilfe von außen zu holen.

 

Hat diese besondere Zeit aus Ihrer Sicht auch etwas Positives?

Auch wenn vieles offen sein und bleiben mag, so hat sich doch eines in den letzten Wochen und Monaten gezeigt: der Mensch ist ein Sozialwesen und profitiert in allem, was ihn ausmacht, von sozialen Begegnungen. Die in die Beziehungsarbeit gesteckte Anstrengung, egal ob in der Schule oder zu Hause in der Familie, hat eine enorm große Wirkung auf das Erleben und auch das Lernen jedes Einzelnen. In der vergangenen Zeit sind wir alle zu Lernenden geworden und das Gefühl, im Gegenüber jemanden Gleichgesinnten zu finden, egal, ob ich sie oder ihn nun am Bildschirm sehe, am Telefon höre oder ihm gegenüber sitze, kann eine enorme Stütze sein. Wenn dieser Gedanke es vermag, den künftigen Umgang sowohl mit Schülerinnen und Schülern, als auch mit deren Eltern und vor allem auch mit unterrichtenden Lehrkräften mit Wertschätzung zu prägen, dann steckt in der Krise bezogen auf die Zwischenmenschlichkeit sicher auch etwas Gutes.